Der reizende Reigen

Angestellter: Die Lüge verdient das größte Geld heutzutage. Die Lüge steuert das menschliche Auto den Abgrund hinunter. Die Lüge verdüstert die innermenschlichen Beziehungen.
Hure: So, und jetzt erleichterst du deine schnelle Hose um einen Tausender, auf daß du endlich verschwinden kannst.
Angestellter: Für ein geiles Hurenfleisch den eigengesunden Menschen abbezahlen, hä?… Da mach‘ ich mir ja noch lieber eine ruhige Spende in ein Afrika hinunter…, bevor ich dem deinigen Loch einen Goldrand rundherumbezahle.
Hure: Kirchenarschvollficker, Negerfertigfresser. Dein Stummelschwanzkrüppel wird dir noch schon die Geschichte erzählen müssen…vom letzten leprakranken Zwerg bei dem Schneewittchen.

 

 

„Der Reizende Reigen“ war jahrelang verboten durch die Erben des „Reizenden Herrn Schnitzler“ und konnte so nie wirklich wahrgenommen werden. Dabei ist zu entdecken, dass Schwab 20 Jahre nach dem Hype um ihn völlig unverbraucht die „Konvention durchschlägt und die Groteske einer Gesellschaft freisetzt, die ihre Vernichtung probt. Schwab verrückt die Sprache und damit die Wahrnehmung der Welt“
(Jury des 17. Mühlheimer Dramatikerpreises)

 

„Es geht um den Schrottwert, um die existierenden Reste in den Köpfen…Die Sprache ist der jeweilige Körper der agierenden Person. Die Sprache zerrt die Personen hinter sich her wie Blechbüchsen, die man an einen Hundeschwanz angebunden hat.“ (Werner Schwab)

 

Werner Schwab wurde am 4. Februar 1958 in Graz geboren. Die Mutter musste ihn aus wirtschaftlicher Not in Pflege geben. Er besuchte die Kunstgewerbeschule in Graz und anschließend die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Mit seiner Ehefrau Ingeborg Orthofer zog er in ein kleines Bauernhaus in der Oststeiermark. Er begann aus verderblichen Materialien wie Tierkadavern verwesende Skulpturen zu schaffen wie auch mit dem Verfassen von Texten. 1989 gelang sein erstes Stück zur Uraufführung; von nun an wurden seine Stücke an renommierten Bühnen im gesamten deutschen Sprachraum aufgenommen. Schwab zählte zu den Mitgliedern des „Forum Dicher Graz“. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den Förderpreis des Schiller-Gedächtnispreises (1992) und den Mühlheimer Dramatikerpreis (1992). Am 1. Januar 1994 stirbt er im Alter von 35 Jahren an einer Alkoholvergiftung.


 

Pressestimmen

 

 

„Auch bei der Szenerie setzen die Regisseure Torsten Bischof, Alex Novak und Markus Schlappig auf wirkungsvolle Einfachheit. Stuhl, Eimer, Luftballon genügen als Requisitien, während das niedrige Bühnenpodest Off-Theater-Nostalgie herbeizaubert und andeutet: Das eigentliche Drama spielt sich in der Sprache ab.“ Münchner Merkur

 

 

„Dennoch ist es ein Hinweis, den man ersnt nehmen sollte, um Schwab zu verstehen.“ Süddeutsche Zeitung

 

 

„Kein intellektueller schöngeistiger Schmaus. Performative Sprache, die uns aus den Sesseln der Gefälligkeit heraus knebelt. … Wer das als Qualitäten schonungsloser Theaterkunst schätzt oder den Teufel, den Werner Schwab mit diesem Stück nach Arthur Schnitzler an die Wand gemalt hat, als das erkennen kann, was er wirklich ist, dem empfehle ich diese seltene Chance zu nutzen und … ins Theater werkmünchen auf einen kühlen Drink vorbei zu kommen.“ theaterkritiken.com

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